Auf dem Weg zu einem wissenschaftsbasierten Ansatz in der Verpackungsdebatte – EURACTIV.de

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Während die Europäische Kommission die Veröffentlichung der Überarbeitung der Verpackungs- und Verpackungsabfallgesetzgebung vorbereitet, hat der Europäische Verband der Wellpappenhersteller (FEFCO) eine Reihe von drei wissenschaftlichen Studien veröffentlicht, in denen recycelbare und wiederverwendbare Verpackungslösungen verglichen werden. Die Studien heben die wesentliche Rolle nachhaltiger Verpackungen im Kontext des EU Green Deal hervor, indem sie feststellen, dass recycelte Verpackungen oft einen besseren Schutz für die Umwelt bieten als die Wiederverwendung, und zu dem Schluss kommen, dass Verpackungslösungen von Fall zu Fall ausgewählt werden sollten.

In den letzten Jahren gab es einen merklichen Drang, die Wiederverwendung von Verpackungen zu erhöhen, da dies als die umweltfreundlichste Option gilt. Die FEFCO-Projekte bewertet die Umweltauswirkungen recycelbarer und wiederverwendbarer Verpackungen in verschiedenen Märkten und Verpackungsanwendungen. Die Studien bestehen aus einer vergleichenden Ökobilanz zum Transport von frischem Obst und Gemüse, einer Hot-Spot-Analyse der E-Commerce-Wertschöpfungskette und einem White Paper, das einen kritischen Blick auf das Recycling und die Wiederverwendung von Verpackungen in der europäischen Kreislaufwirtschaft wirft. Sie wurden von einem unabhängigen Beratungsunternehmen und einem Forschungsinstitut durchgeführt und von einem Gremium aus drei unabhängigen Experten begutachtet.

Die Ökobilanz (LCA) verglich den Transport von einer Tonne frischem Obst und Gemüse über eine Entfernung von 840 km mit recycelbaren Wellpappenkartons oder wiederverwendbaren Kunststoffkisten (RPCs). Für jede der Verpackungslösungen wurden anhand etablierter Datenbanken, Branchendaten und vorhandener wissenschaftlicher Literatur 15 Kategorien der Auswirkungen auf den ökologischen Fußabdruck bewertet. Die Studie wurde gemäß den Normen ISO 14040 und ISO 14044 durchgeführt.

Die LCA ergab, dass recycelbare Verpackungen aus Wellpappe in zehn der fünfzehn Wirkungskategorien wiederverwendbare Kunststoffkisten übertreffen. In der Kategorie „Klimawandel“ ist die Auswirkung der Wellpappenschachtel um 28 % geringer als die des wiederverwendbaren Kunststoffs. Die Studie ergab auch, dass wiederverwendbarer Kunststoff mindestens 63 Umdrehungen durchlaufen müsste, um eine bessere Leistung als Kartons aus Wellpappe zu erzielen. Die Sensitivitätsanalyse, die die Umweltauswirkungen der Verpackung bewertete, sobald Parameter in verschiedenen Szenarien geändert wurden, zeigte ähnliche Ergebnisse, wobei Wellpappe in 13 von 14 Szenarien besser abschneidet.

Die Hot-Spot-Analyse konzentrierte sich auf die Lieferung von kleinen persönlichen Gegenständen in Europa über die E-Commerce-Lieferkette. Unter Verwendung von 48 bestehenden wissenschaftlichen Studien identifizierte die Analyse die Lebenszyklusstadien oder „Hot-Spots“, die für die meisten Umweltauswirkungen der Verpackung verantwortlich sind.

Als Hotspot Nr. 1 wurde die tatsächliche Anzahl der Verwendungen von Mehrweglösungen identifiziert, die sich als schwierig zu ermitteln erweist, da offizielle Daten dazu weitgehend nicht verfügbar sind. Grundsätzlich ist das Erreichen einer möglichst hohen Umdrehungszahl der Schlüsselfaktor für Mehrwegverpackungen, um ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren.

Ein zweiter wichtiger Lebenszyklusabschnitt hat mit logistischen Parametern wie der Lagerung und der Transportstrecke zu tun. Die Komplexität der E-Commerce-Lieferketten ist noch nicht vollständig verstanden, was bedeutet, dass ihre potenziellen Umweltauswirkungen oft höher sind als erwartet. Der dritthöchste Hot-Spot ist der Anteil an recyceltem Material, das in Verpackungen verwendet wird. Leider, und ähnlich wie beim ersten Hot-Spot, bleiben detaillierte Daten zum Recyclinganteil von wiederverwendbaren Kunststoffverpackungen unzugänglich.

Die dritte und letzte Studie des Projekts lieferte einen umfassenden Überblick über die Debatte über Verpackungsrecycling versus Wiederverwendung. Das Whitepaper betont die Bedeutung der Verpackungsfunktionalität bei gleichzeitiger Verbesserung ihrer Nachhaltigkeit. Der beste Weg, dies zu gewährleisten, ist die Einführung des Konzepts der zweckmäßigen Verpackung für alle Materialien.

Das Papier kommt auch zu dem Schluss, dass sowohl recycelbare als auch wiederverwendbare Verpackungslösungen zunehmend unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und weniger unter dem Gesichtspunkt der Abfallvermeidung betrachtet werden sollten, und schlägt vor, die bestehende Abfallhierarchie zu ändern, um das Denken über den Lebenszyklus besser widerzuspiegeln. Bestehende Studien haben gezeigt, dass es keine offensichtliche beste Wahl gibt, wenn es darum geht, zwischen recycelbaren und wiederverwendbaren Verpackungslösungen zu wählen, da die Ergebnisse von Fall zu Fall erheblich variieren.

Die bevorstehende Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle soll die Industrie beim grünen Übergang unterstützen, um Verpackungen nachhaltiger und zirkulärer zu gestalten. Um eine glaubwürdige und realistische Überarbeitung dieser Gesetzgebung zu erreichen, müssen die festgelegten Ziele und Maßnahmen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, um sicherzustellen, dass jede Verpackungsanwendung am besten geeignet ist, das Produkt und die Umwelt zu schützen.