Citizen-Science-Daten aus Berlin zeigen, dass städtische Gebiete unter bestimmten Voraussetzungen ein Refugium für Fledermäuse sein können

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Die Urbanisierung ist eine erhebliche Bedrohung für Fledermauspopulationen auf der ganzen Welt, insbesondere durch künstliches Licht und die Verringerung des Lebensraums und der Nahrungsversorgung. Wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, können einige Gebiete innerhalb von Ballungsräumen für Fledermäuse geeignet sein, so dass eine angemessene Bewirtschaftung dieser Gebiete zum Schutz der Fledermäuse beitragen könnte. Mit Hilfe von mehr als 200 Citizen Scientists in Berlin hat ein Wissenschaftlerteam des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) diese Bedingungen untersucht und untersucht, wie sie die Häufigkeit und Verbreitung von Fledermausarten beeinflussen. Sie kommen zu dem Schluss, dass es für alle Fledermäuse in Städten wichtig ist, nachts ein niedriges Niveau an künstlichem Licht aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus ist der Zugang zu Vegetation und Gewässern für viele von ihnen unabdingbar. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen werden in der Fachzeitschrift veröffentlicht Umweltverschmutzung.

Der Verlust der biologischen Vielfalt gefährdet wichtige Ökosystemfunktionen und damit die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen in einer Größenordnung, die mit anderen Prozessen des globalen Wandels wie dem Klimawandel vergleichbar ist. Hauptursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt sind der Verlust und die Zerstörung von Lebensräumen durch Landwirtschaft und Holzeinschlag, aber auch durch die Urbanisierung, die eine dramatische Transformation von natürlichen zu extrem anthropogenen Landschaften bewirkt. Diese Prozesse haben weiterhin schwerwiegende nachteilige Auswirkungen auf viele der über 1400 Fledermausarten, einen erheblichen Anteil der gesamten Säugetiervielfalt. „Unser Wissen über die Bedingungen, unter denen Fledermäuse in diesen verschiedenen Ökosystemen – einschließlich Städten – leiden oder gedeihen, zu erweitern, ist für den Fledermausschutz von entscheidender Bedeutung“, sagt Dr. Daniel Lewanzik vom Leibniz-IZW-Lehrstuhl für Evolutionäre Ökologie. Lewanzik und seine Kollegen haben sich mit mehr als 200 Citizen Scientists zusammengetan, um an 600 Probenahmestellen in Berlin innerhalb von zwei Jahren Ultraschall-Vokalisierungen von fünf Fledermausarten bis zu sechs Mal aufzuzeichnen. „Mit diesem großen Datensatz konnten wir untersuchen, wie städtebauliche Merkmale das Vorkommen von Fledermäusen beeinflussten. Dadurch konnten wir diejenigen Umweltvariablen identifizieren, die für Fledermauspopulationen günstig sind“, erklärt PD Dr. Christian Voigt, Leiter der Leibniz-IZW-Abteilung der Evolutionäre Ökologie und leitender Autor des Artikels.

Die Ergebnisse untermauern den Verdacht, dass künstliches Licht in der Nacht alle Fledermausarten negativ beeinflusst und sogar das Vorkommen von bisher als „lichttolerant“ geltenden Arten verringert. Sopranfledermaus waren besonders lichtempfindlich: Bereits bei mittleren Lichtstärken wurden sie in städtischen Gebieten selten entdeckt und verschwanden bei höheren Beleuchtungsstärken vollständig. Darüber hinaus traten Sopran-Fischerfledermäuse in Gebieten mit weißem Licht fast viermal häufiger auf als mit orangefarbenem Licht, während Nathusius-Fischer- und Mausohren keine Vorliebe für helle Farben zeigten. Zudem war die Reaktion von Mausohren auf zunehmende Lichtintensität saisonalen Einflüssen unterworfen: Während ihre Aktivität im Sommer mit zunehmender Lichtintensität abnahm, war dies im Herbst nicht der Fall.

Auch die Baumkronenbedeckung, das offene Wasser und die Höhe undurchlässiger Oberflächen wie Straßen und Gebäude hatten einen erheblichen Einfluss auf einige Arten, der durch ihre Nahrungssuche moduliert wurde. Arten, die an Vegetationsrändern Nahrung suchen (zB Zwergfledermaus) benötigen Bäume zum Pendeln und zur Nahrungssuche, diejenigen, die direkt über Wasseroberflächen jagen (zB Daubenton-Fledermaus) sind auf das Vorhandensein von offenem Wasser angewiesen. Die meisten untersuchten Arten, insbesondere freiraumfressende Arten, mieden einen hohen Anteil an undurchlässigen Flächen, beispielsweise von Bauklötzen eingerahmte Straßen.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer weitgehenden Reduzierung des künstlichen Lichts in der Nacht auf das für menschliche Aktivitäten absolut notwendige Minimum und der Einsatz von Dimmprotokollen, die beispielsweise durch Bewegungssensoren ausgelöst werden, wo und wann immer es möglich ist“, fassen Lewanzik und Voigt zusammen. Sie empfehlen außerdem, vorhandene Vegetationsflächen zu erhalten und nach Möglichkeit neue Vegetationsflächen zu schaffen. Diese Fragmente müssen unbedingt durch ununterbrochene Vegetation und dunkle Korridore (zB Wohngärten und Baumreihen) untereinander und mit Gewässern verbunden werden. Die Untersuchung zeigt, dass auch Städte bei Beachtung dieser Empfehlungen geeigneten Lebensraum für geschützte und bedrohte Arten bieten können.

Das Sammeln von Daten zusammen mit Citizen Scientists hatte verschiedene positive Auswirkungen, sagen die Autoren. „Die Zusammenarbeit mit mehr als 200 hochmotivierten Helfern hat es ermöglicht, im gesamten Berliner Stadtgebiet gleichzeitig Daten zu erheben“, sagt Dr. Miriam Brandt, Leiterin der Leibniz-IZW-Einheit Wissenschaftsmanagement und Leiterin des Projekts „WTimpact“. WTimpact, in dessen Rahmen die Fledermausforschung in Berlin durchgeführt wurde, ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Verbundprojekt von 2017 bis 2021. „Gleichzeitig konnten wir interessierten Bürgerinnen und Bürgern ein Teil der urbanen Natur, der normalerweise unbemerkt bleibt – viele Teilnehmer waren überrascht, Fledermäuse in urbanen Umgebungen zu finden, wo sie sie nicht erwartet hätten.“

Geschichte Quelle:

Materialien zur Verfügung gestellt von Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Hinweis: Der Inhalt kann hinsichtlich Stil und Länge bearbeitet werden.